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Folgen der Waldzerstörung

Ob die Zerstörungsursache (illegaler) Holzeinschlag, die Anlage von Plantagen oder die Förderung von Erdöl ist (siehe 7 Ursachen der Zerstörung), ist beinahe nebensächlich, angesichts der Folgen, die sich nach dem Waldverlust einstellen.

Und die Geschwindigkeit der Zerstörung nimmt noch zu: Wurden in den 1980er-Jahren in Indonesien etwa 1 Million Hektar pro Jahr zerstört, waren es in den 90er-Jahren schon 1,7 Millionen Hektar und seit 1996 beträgt die jährliche Zerstörungsrate etwa 2 Millionen Hektar. Zwischen 1985 und 1997 wurden so etwa 17 Prozent des indonesischen Waldes abgeholzt.

Insgesamt sind von der ursprünglichen Waldfläche Asiens inzwischen weniger als 30 Prozent übrig, in Afrika ist die Situation kaum besser.

Wenn Wald zerstört oder auch nur in seiner Zusammensetzung verändert wird, dann ist das ein mehr oder wenig verheerender Eingriff in ein natürliches System mit Auswirkungen auf

- die Biodiversität
- den Wasserkreislauf
- das Klima
- die Schutzfunktionen des Waldes
- den Wald als Wirtschaftsraum
- den Wald als Kulturraum
- die Ernährungssouveränität
- Migrationsbewegungen.

Nach unserer Auffassung sind diese Aspekte für ein zukunftfähiges Miteinander von Natur und Mensch wesentlich und wenn sie verschlechtert oder gar ausser Funktion genommen werden (müssen), dann sollte dies keinesfalls ohne Voraussicht und eine breite Diskussion geschehen.

Denn die Auswirkungen dieser Zerstörungswut sind von ungeheuerem Ausmaß auf...

...die Biodiversität

Obwohl die tropischen Regenwälder nur 6 Prozent der Landoberfläche einnehmen, lebt in ihnen die Hälfte aller bekannten Arten, darunter stark bedrohte Arten wie Orang Utans, Tiger und Waldnashörner. Diese und unzählige weitere Tier- und Pflanzenarten sind durch die Abholzungen akut vom Aussterben bedroht.

Viele Arten in den Wäldern sind noch völlig unbekannt. Schätzungen zufolge soll es auf der Erde zwischen 5 und 30 Millionen Arten geben, von denen wiederum zwei Drittel in den Wäldern vermutet werden. Durch Abholzungen werden die komplexen Vernetzungen und Lebensgemeinschaften des zusammenhängenden Ökosystems Wald in großer Zahl zerstört.

Die oftmals übriggelassenen „Waldinseln“ werden von den Abholzern als Beitrag zur Artenvielfalt und schonender Umgang mit der Natur vermarktet, können aber niemals gleichwertiger Ersatz eines intakten Ökosystems sein. Der Verlust der Artenvielfalt betrifft längst nicht nur die Liebhaber von Vögeln, Insekten oder Orchideen. Biologische Vielfalt trägt zu unserer Ernährung bei und wird zur Herstellung vieler Produkte genutzt. Allein zur Herstellung von Medikamenten werden 10.000 bis 20.000 Pflanzenarten verwendet.

...den Wasserkreislauf

Sowohl für die lokalen als auch die globalen Wasserkreisläufe sind Wälder unersetzlich. Allein der Amazonasregenwald dient als Reservoir für 16 Prozent des Süßwassers der Erde.

Durch die Zerstörung der Wälder ist nicht nur vielerorts die Wasserversorgung gefährdet, sondern es breiten sich wüstenähnliche Verhältnisse auch in Regionen aus, in denen sie aufgrund klimatischer Verhältnisse nicht vorkommen sollten, wie zum Beispiel in Elfenbeinküste. Diese vom Menschen gemachten Wüsten sind unfruchtbar und die Böden so stark geschädigt, dass Pflanzen dort kaum wieder wachsen können.

...das Klima

Wälder spielen im Kohlenstoffkreislauf eine zentrale Rolle und sind unter anderem auch deswegen bedeutsam für das Klima.

Eingebunden in pflanzliche Biomasse und Bodenhumus enthalten Landökosysteme viermal so viel Kohlenstoff, wie die Erdatmosphäre in Form von CO2 enthält. Die größte Speicherkapazität haben ungenutzte Urwälder. Ihre Kohlenstoffspeicherkapazität wird von Wirtschaftswäldern oder Plantagen nicht annähernd erreicht.

Neben der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Öl trägt die großflächige Zerstörung von Wäldern maßgeblich zum Klimawandel bei. Zwischen 20 und 30 Prozent der durch Menschen verursachten CO2-Belastung der Atmosphäre stammen aus großflächiger Waldzerstörung hauptsächlich in den Tropen und Subtropen, aber auch in den nördlichen Nadelwäldern. Indonesiens Platz 3 in der Liste der Länder mit dem höchsten CO2-Ausstoss ist vor allem auf die Brandrodung der dortigen Torfregenwälder zurückzuführen.

Stabile und artenreiche Waldökosysteme haben eine größere Chance, sich dem Klimawandel anzupassen als Baummonokulturen.

Grundsätzlich ist aber zu befürchten, dass Ökosysteme mit langen Reproduktionszyklen (wie es Wälder nun einmal sind), sich nur schwer den zu erwartenden Klimaveränderungen anpassen können und großflächig absterben werden. Artenreiche Waldsysteme verfügen aber immerhin über eine höhere Anpassungsfähigkeit.

...die Schutzfunktionen des Waldes

Das Ökosystem Wald stellt natürliche Schutzfunktionen zur Verfügung, die wir oft als selbstverständlich ansehen. Die Kostbarkeit dieser Funktionen nehmen wir meist erst zur Kenntnis, wenn sie nach der Zerstörung des Waldes künstlich und teuer ersetzt werden müssen.

Ist der Wald zerstört, kann er kein Wasser mehr filtern: Trinkwasser muss teuer aufbereitet werden. Der Regen fließt schneller ab: Hochwasser nehmen zu. In bergigen Regionen ist Wald ein natürlicher Schutz vor Schnee- oder Gerölllawinen. Ist der Wald gerodet, rutschen Berghänge ab. Künstliche Verbauungen können die Schutzfunktionen des Waldes nur ungenügend ersetzen, sie sind aufwändig und sehr teuer.

Ohne das schützende Kronendach wird durch Regenfälle die Humusschicht weggespült (Erosion) und die Nährstoffe werden aus dem Boden ausgewaschen. Gerade im tropischen Regenwald geht dies besonders schnell, weil wegen des schnellen Abbaus der organischen Substanz (Mineralisierung) die Humusschicht besonders dünn ist. Innerhalb kurzer Zeit verarmt der Boden so stark, dass nichts mehr auf ihm wachsen kann. Wiederaufforstungen sind dann nicht mehr oder nur mit sehr hohem Aufwand möglich.

...den Wald als Wirtschaftsraum

Viele Millionen Menschen weltweit sind von Wäldern als Wirtschaftsraum abhängig. Durch Abholzung wird ihnen alles was sie zum Leben brauchen genommen: Nahrungsmittel wie Früchte, Pilze, Tiere, Bau- und Brennmaterial und ihren Lebensraum.

Weder die Subsistenzwirtschaft der um und im Wald lebenden – zumeist kleinbäuerlichen – Bevölkerung, noch die jagende und sammelnde Lebensweise nomadischer Völker wird von Regierungen und Konzernen als wertvoll und lebenswert anerkannt. Diese Menschen und ihre Lebensweise werden nicht nur als nutzlos betrachtet, nein, in ihrer Nutzlosigkeit „besetzen“ sie auch noch wertvolles Land, das für vermeintlich sinnvollere Zwecke verwendet werden könnte. Also werden sie vertrieben und der Wald umgewandelt.

Seit 1985 verloren in Brasilien über 5 Millionen Menschen zugunsten von landwirtschaftlichen Flächen, Entwicklungsprojekten etc. unter Zwang ihr Land und die Vereinten Nationen erwarten in den nächsten Jahren die Vertreibung von 5 Millionen Indigenen von ihrem angestammten Land im indonesischen West-Kalimantan, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen. Entgegen den Versprechen der Plantagenbetreiber schaffen diese Plantagen nur in geringem Umfang Arbeitsplätze für die ansässige Bevölkerung. Da die Plantagen keinen Lebensraum für Mensch und Tier bieten, drohen der Bevölkerung Armut und Hunger.

Weil der Wald zerstört ist und sie kein Land mehr haben, auf und von dem sie leben können, sind viele Menschen gezwungen, in die Städte abzuwandern, wo sie ihr Dasein in Slums fristen.

...den Wald als Kulturraum

Für im und vom Wald lebende indigene Völker stellt der Wald weit mehr als nur einen Wirtschaftsraum dar.

Vor allem anderen ist er für sie Kultur- und Lebensraum, mit dem sie seit Generationen tief verwurzelt sind.

Ihre Zugehörigkeit zum Wald zeigt sich über ihre Sprache, Kunst, Religion bis hin zur Kindererziehung.

Durch die Abholzung der Wälder verändert sich ihr Lebensraum und damit ihr Sozialgefüge grundlegend oder wird gar völlig zerstört. Dies zwingt sie, ihre traditionelle Lebensweise zu verändern oder ganz aufzugeben (Sesshaftwerdung, Abwanderung in Städte, Umsiedlung in Reservate). Langfristig geraten durch diese erzwungenen Veränderungen ihre Traditionen und Sprache in Vergessenheit – ganze Kulturen werden zerstört.

...die Ernährungssouveränität

Die Zerstörung der Wälder als Wirtschafts- und Kulturraum hat massive Auswirkungen auf die Ernährungssouveränität der betroffenen Bevölkerung. Der Wald als Heimat von Tieren und Pflanzen, die für viele Menschen auf dem täglichen Speiseplan stehen, geht verloren.

Neben den Verlusten durch die Waldzerstörung kommen ungeklärte Landrechtsfragen und die Konkurrenz für landwirtschaftliche Flächen durch den Anbau von Energie- und Futterpflanzen für den Export hinzu. Brasilien etwa produziert auf 22 Millionen Hektar, der Hälfte der gesamten Ackerfläche des Landes, Soja - hauptsächlich für den europäischen Markt.

Die indonesische Regierung hat beschlossen, die Fläche für den Anbau von Ölpalm-Plantagen von derzeit rund sechs Millionen Hektar bis 2020 auf zwanzig Millionen Hektar zu erweitern. Für diese Flächen muss natürlicher Regenwald weichen und die ansässige Bevölkerung gleich mit.

Während für den westlichen Bedarf an Futtermitteln und „Bio“-Treibstoffen platzt geschaffen wird, steht die heimische Bevölkerung vor dem Nichts. Die UNO hat sich in ihren Millenium Development Goals das Ziel gesetzt, den Anteil der Hungernden von 1990 bis 2015 zu halbieren. Allerdings ist die Zahl der Hungernden mittlerweile auf 925 Millionen Menschen gestiegen. Wenig verwunderlich angesichts einer weltweiten Politik, die Wälder als Wirtschaftsraum zerstören und durch den Anbau von Energie- und Futterpflanzen auf riesigen Flächen für die Märkte der Industriestaaten zu einer Verknappung und Verteuerung von Nahrungsmitteln führt.

...Migrationsbewegungen

Die Abholzung der Wälder vernichtet Lebensraum und –grundlage vieler Menschen und hat nachhaltigen Einfluß auf das Klima.

Sowohl die unmittelbare Zerstörung ihres Lebensraumes wie auch die langfristigen Folgen der Entwaldung durch ein sich veränderndes Klima, unfruchtbare Böden, Wüstenbildung zwingt viele Menschen, ihre Heimat zu verlassen – sie werden zu Umwelt- beziehungsweise Klimaflüchtlingen. Die Regierung Papua Neuguineas ließ bereits 2005 die fast tausend Bewohner der Pazifikinseln Carteret vor dem steigenden Meeresspiegel evakuieren.

Im Sudan breitet sich die Wüste immer weiter aus. In den letzten 40 Jahren ist sie um hundert Kilometer in den Süden des Landes vorgedrungen. Bedingt durch massive Abholzung, ausbleibende Regenfälle und Bodenerosion wird das Land im nördlichen Sudan unfruchtbar. In einer Region mit rund 30 Millionen Bewohnern gehen die Getreideernten zurück. Millionen Menschen könnten so gezwungen sein, auf der Suche nach einem Auskommen abzuwandern. Bereits heute sind im Sudan durch Kriege und Vertreibungen über 5 Millionen Menschen auf der Flucht.

Genaue Zahlen zum Umfang von Klimaflucht liegen nicht vor, Schätzungen zufolge dürfte sie aber die Zahl der offiziellen Flüchtlinge (20 Millionen) bereits übersteigen. Prognosen gehen von bis 200 Millionen Klimaflüchtlingen in den nächsten 30 Jahren aus, sollte es nicht gelingen, den Klimawandel einzudämmen oder geeignete Anpassungsstrategien zu entwickeln.